Land im Aufbruch – das Magazin Cash und Nils Peter Sieger zu Portugals Immobilienmarkt

Das Magazin Cash berichtet 1998 unter dem Titel „Land im Aufbruch“ über Portugals Immobilienmarkt. Nils Peter Sieger wird mit Hinweisen zum Immobilienkauf zitiert.
Wir bringen den Artikel vollständig und zum Download.

Land im Aufbruch

1998 — ein Goldjahr für die kleine Nation am Atlantik. Der Traum von der Teilnahme an der gemeinsamen Währung wurde für Portugal wahr.

VON SABINE GROTH

Unberührte Natur soweit das Auge reicht. Eine sechs Hektar große, mit Seen durchzogene Waldland-schaft erstreckt sich vor der Terrasse des pom-pösen Palastes Quinta Patin°. Er ist benannt nach jenem lupenreinen Kapitalisten Antenor Patin°, der ein Vermö-gen in bolivianischen Zinnminen machte. Patino ließ sich sein Anwesen vor 50 Jahren errichten. Stararchitekt Leonardo Castro Freire mußte die Architektur alten Fayence-Kacheln anpassen, die der Hausherr gesammelt hatte. Kino und Bowlingbahn wurden auch eingebaut. Vor einiger Zeit verkaufte die Witwe das imposante Gebilde an das viertgrößte Finanzinstitut Portugals, ’neo Espirito Santo. Jetzt sollen auf dem Grundstück 91 Villen entstehen. „Der durchschnittliche Quadratmeterpreis für die 1.100 bis 6.500 Quadratmeter großen Parzellen beträgt 125 Euro. Über 70 Prozent des Baulandes sind bereits verkauft“, sagt Louretno de Mmeida, Direktor Clube da Quinta Patino, Estoril. Die Quinta Patino ist nur eines von vielen vielversprechenden Investitionsobjekten, die Portugal zu bieten hat. Vor 15 Jahren dachte keiner daran, sein Geld in das Land auf der iberischen Halbinsel zu bringen. Portugal war ein Synonym für Armenhaus. Doch seit dem EG-Beitritt 1986 hat sich das Land zu einem beliebten Investitionsstandort für internationale Unternehmen gemausert. Die Wirtschaft ist stabil, die Inflationsrate lag 1997 bei 1,9 Prozent, das Haushaltsdefizit fiel auf 2,45 Prozent zurück. Durch umfangreiche Privatisierungen konnten die Staatsschulden auf 62 Prozent des Bruttoinlandsprodukts reduziert werden.

Land im Aufbruch – das Magazin Cash und Nils Peter Sieger zu Portugals Immobilienmarkt

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Auch für 1998 ist wieder ein Wirtschaftswachstum von 3,8 Prozent zu erwarten. Steuervergünstigungen, Fördergelder, niedrige Körperschaftssteuern und billige Arbeitskräfte machen Portugal noch attraktiver. Nach den Spaniern sind die Deutschen die größten Investoren. Mehr als 500 deutsche Firmen haben sich schon angesiedelt, die meisten in Groß-Lissabon und Groß-Porto. Das größte Investitionsprojekt ist AutoEuropa bei Settibal, ein Joint Venture zwischen Ford und Volkswagen zur Produktion von Großraumlimousinen.

Land im Aufbruch – das Magazin Cash und Nils Peter Sieger zu Portugals Immobilienmarkt

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Aber: Obwohl die Arbeitslosenquote nur 6,7 Prozent beträgt, eine der niedrigsten Europas, leben über zwei Millionen Menschen (mehr als jeder fünfte) unterhalb der Armutsgrenze. Während die Lissabonner Gesellschaft ihre Villen im nahen Estoril und Cascais pflegt, vergammeln am Stadtrand Wellblechhütten, die an brasilianische Favelas erinnern. Schlechte Schul- und Berufsausbildung ergeben eine Produktivität, die nur 40 Prozent der deutschen beträgt. Die Regierung verspricht Ausbildungsreformen. Finanziell sieht es für den Staat jedoch gar nicht so gut aus. Nach einer jahrelangen überdurchschnittlichen Unterstützung durch EU-Gelder drohen jetzt drastische Kürzungen. Dennoch: Die Stimmung ist upbeat. Im „Handelsblatt“ erklärt Ministerpräsident Antön’° Guterres, daß sein Land trotz des strukturellen Rückstands gegenüber den stärker entwickelten Ländern optimistisch in die Zukunft blickt.

Schlechte Zeiten für Vermieter

Ein antiquiertes Mietrecht hat Portugals Wohnungsmietmarkt in die Misere geführt. Unkündbare Mietverträge zwingen Hausbesitzer, ihre Wohnungen zu Spottpreisen zu vermieten. Konsequenz: Lieber verkaufen als vermieten.

Vermieter haben in Portugal einen schweren Stand. Die Wohneigentumsrate liegt bei 66 Prozent. Dies ist nicht zuletzt auf das vermieterfeindliche Mietrecht zurückzuführen (siehe Kasten „Mietrecht“, Seite 86). Überall in Lissabon fallen heruntergekommene Wohnhäuser ins Auge. Als nach Ende der Diktatur 1974 die Inflationsrate auf über 30 Prozent anstieg, ließ der Staat die Mieten trotzdem noch zehn Jahre eingefroren. Hauseigentümer verarmten, Instandhaltungsarbeiten konnten nicht finanziert werden. Den Häusern drohte der Verfall. Moderate Mieterhöhungen, die seit 1984 möglich sind, haben die Situation nicht nachhaltig verbessert. 1995 beschloß die Regierung ein neues Mietrecht, das auch dem Vermieter eine Kündigung ermöglicht. Trotzdem: Wer als Kapitalanlage eine Wohnimmobilie erwirbt, muß mit Problemen bei der Vermietung rechnen. Pedro M. Seabra, Managing Director der Immobilienberatung CB Richard Ellis, Lissabon: „Portugals Wohnungssuchende sind es nicht gewohnt, hohe Mieten zu zahlen.“ Dennoch: IN’s, einer der wenigen Makler, die sich mit Vermietung von Wohnraum beschäftigten, registriert auskömmliche Mieten bei Neubauten mit moderner Ausstattung. Für ein Zwei-Zimmer-Apartment mit Garage in Lissabon werden 900 Euro im Monat verlangt, ohne Garage im noblen Vorort Cascais kostet es 500.

Immobilienkauf in Portugal

Nichtansässige können uneingeschränkt kaufen. Zur Immobiliensuche kann ein lizensierter Makler eingeschaltet werden. Seine Provision von fünf Prozent zahlt der Verkäufer. Um den Kaufpreis zu drücken, empfiehlt Nils Peter Sieger (siehe Foto Seite 85), Geschäftsführer der Investmentberatung Finurba, Lissabon, die Suche auf eigene Faust. Verkaufsschilder an den Immobilien zeigen an, daß sie zu haben sind. Ein Anwalt, auf den nicht verzichtet werden sollte, erledigt dann die Formalitäten. Eine Liste von deutsch-sprachigen Anwälten und lizensierten Maklern ist in der Deutsch-Portugiesischen Industrie- und Handelskammer (IHK) in Lissabon erhältlich. Und so läuft alles ab: Zuerst wird der Eintrag im Grundbuch (registo predial) und die Caderneta Predial, eine Art Immobilienausweis, die beim Finanzamt liegt, geprüft. Letztere weist das Grundstück als landwirtschaftlich (rustico) oder städtisch (urbano) aus. Landwirtschaftliche Grundstücke sind billiger, dürfen jedoch oft nicht mit einem Wohnhaus bebaut werden. Berthold Grandy, Leiter der Steuer- und Rechtsabteilung der Deutsch-Portugiesischen IHK in Lissabon, rät Ortsfremden von dem Versuch einer langwierigen Umwidmung des Grundstücks ab. Da in Portugal viele Schwarzbauten zu finden sind, ist die Caderneta auch bei bebauten Grundstücken zu prüfen. Gleiches gilt für die Wohn- bzw. Baugenehmigung. Beantragt wird sie beim zuständigen Bauamt. Vor dem notariellen Kaufvertrag wird ein Vorvertrag abgeschlossen und eine Anzahlung gemacht. Tritt der Käufer vom Vertrag zurück, verfällt seine Anzahlung. Der Verkäufer muß bei Vertragsverletzung die doppelte Summe an den Käufer zahlen. Die Beurkundung erfolgt durch einen portugiesischen Notar, die restliche Kaufsumme ist jetzt fällig. Der Erwerb wird beim zuständigen Grundbuchamt registriert.

Land im Aufbruch – das Magazin Cash und Nils Peter Sieger zu Portugals Immobilienmarkt

Land im Aufbruch – das Magazin Cash und Nils Peter Sieger zu Portugals Immobilienmarkt

Der Artikel für Sie zum Download:Cash 1998 mit Nils Peter Sieger zu Portugals Immobilienmarkt 1998 [pdf]

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