Bildhübsches Kleinod an der Langelohstraße – Die Osdorfer Zeitung über das Bauernhaus von Nils Peter Sieger

Die Osdorfer Zeitung veröffentlichte 1991 einen Artikel über das von Nils Peter Sieger und seinem Bruder Rol restaurierte historische Bauernhaus in der Langelohstraße. Wir bringen den Artikel im Volltext und zum Download.

Bildhübsches Kleinod an der Langelohstraße

Autofahrer, die von der Osdorfer Landstraße in die Langelohstraße einbiegen, müssen bei dem starken Verkehr besonders Obacht geben. Aber einen Blick riskieren sie doch, denn das Haus schräg gegenüber dem Heidbarghof lädt dazu ein. Und Fußgänger bleiben stehen, um sich daran zu erfreuen, besonders an dem hübschen Giebel mit dem Fachwerk, und die geöffnete „Grot Döhr“ gibt den Blick auf eine Glastür mit Butzenscheiben frei.

Dieses schmucke Haus hat eine wohl 200jährige Geschichte, das genaue Baujahr läßt sich aber nicht mehr ermitteln. In der Osdorfer Chronik heißt es, daß sich der Besitzer Johann Hinrich Blohn 1768 zu seinen zwei Himbtsaat Land noch eine halbe Hausstelle ausweisen ließ. Über den Schmied Hans Christoph Leseberg und dessen Sohn Johann Leseberg, gelang das Anwesen 1857 in den Besitz des Milchhändlers Sahling. Unter diesem Namen ist es alten Osdorfern noch bekannt, die dort, in einem Anbau, ihre Milch und Butter kauften. Als Hans Sahling sich zur Ruhe setzte, übergab er den Hof, er wird im Höfe-Register mit der Nummer 30 geführt, seinem Neffen Johann Heinrich Sahling, ebenfalls ein Milchhändler, wobei für den Vorbesitzer und seine Schwester als Altenteilerfieferung vereinbart wurde: Täglich ein Liter Milch, wöchentlich eineinhalb Pfund Butter, alljährlich zu Weihnachten die Hälfte eines Schweines zu 300 Pfund und den dritten Teil des Obstes aus dem Garten.

Das Grundstück blieb lange im Familienbesitz der Sahlings und die Witwe von Hans Jacob Sahling, von vielen nur Tante Emmy genannt, führte das Milchgeschäft noch bis in die Sechziger Jahre weiter. Als die Gesellschaft für Markforschung 1966 das Grundstück übernahm, die das Hausinnere für Bürozwecke nutzte, ließ sie aber erfreulicher-! weise keine Veränderung am Äußeren vornehmen. Im Laufe der Jahre expandierte die Gesellschaft immer stärker, so daß sie gezwungen war, ein neues, großes Bürogebäude zu errichten. Nils Peter Sieger, der seinen Wohnsitz seit Jahren in Portugal hat, nutzte die Gelegenheit und erwarb das Haus, um daraus einen Familiensitz zu machen, geeignet für Gäste und Familienfeiern der großen Familie Sieger. Mit viel Liebe zum Detail, entstand daraus ein Kleinod im Stile der alten Zeit. Der Osdorfer Rolf Sieger, ein Bruder des Besitzers und bekannt als Leiter der Tiefbauabteilung Blankenese, leitete vor Ort die Umbauarbeiten und legte in seiner Freizeit zusammen mit seiner Familie selbst mit Hand an. Neben den umfangreichen Innenarbeiten wurde die Fassade erneuert und die Farbe aufgefrischt.

Der Eingangsbereich erhielt eine neue Einfriedigung, der Asphaltbelag des Hofes wurde aufgenommen, so daß das alte schöne Kopfsteinpflaster wieder zum Vorschein kam. Blumenkästen, neu eingepflanzte Eichen, Kastanien und ein Rotdorn vervollständigen das Bild; den Garten legte man als Bauerngarten an. Ein besonderer Clou ist die alte Wasserpumpe auf dem Hof. Sie sieht nicht nur hübsch aus, sie ist auch wieder voll funktionsfähig. Das gelang einem „Tüftler“ mit Namen Musik, er stammt aus Oberschlesien, lebt aber jetzt in Hamburg. Die Ersatzteile für die Pumpe besorgte er in Polen und werkelte solange, bis das erste Wasser — Oberflächenwasser — lief.

Rolf Sieger, der Bruder von Nils Peter Sieger, demonstriert die Funktionsfähigkeit der restaurierten Wasserpumpe

Rolf Sieger, der Bruder von Nils Peter Sieger, demonstriert die Funktionsfähigkeit der restaurierten Wasserpumpe

Das Engagement von Peter und Rolf Sieger zeigt, daß man Altes zur eigenen und zur Freude vieler erhalten und doch modern nutzen kann. Dafür ist man in Osdorf den „Siegers“ dankbar.

Der Artikel für Sie zum Download: Die Osdorfer Zeitung über Nils Peter Sieger in 1991 [pdf]

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Ein Bauernhaus lebt auf: der Hamburger Klönschnack über die Restaurierung eines historischen Bauernhauses in Nienstedten durch Nils Peter Sieger

Das Hamburger Magazin Klönschnack berichtet in seiner Ausgabe vom Juni 1990 über die Restaurierung eines historischen Bauernhauses in Nienstedten durch Nils Peter Sieger. Wir bringen den Artikel im Wortlaut sowie zum Download.

Ganz wie in alten Zeiten – Ein Bauernhaus lebt auf.

Mit einem guten Blick für verborgene Schönheit, einem engagierten Bruder und seinem fast schon aus der Mode gekommenen Familiensinn kaufte Nils Peter Sieger ein altes Osdorfer Bauernhaus und machte es wieder zu dem, was es war: ein Mittelpunkt für jung und alt.

Das, was einem zuerst einfällt, wenn man so einem schönen, alten Haus gegenübersteht, sind wohl Tradition und Familie und so was wie Erdverbundenheit und Wurzeln haben. Anders gesagt, alles das, was heute im Alltäglichen rar geworden ist, und vieleicht deshalb um so wertvoller in unseren Köpfen.

Bauernhaus von Nils Peter Sieger in Hamburg Nienstedten

Bauernhaus von Nils Peter Sieger in Hamburg Nienstedten

Mit solchen vagen Gefühlen betritt man dann zum Beispiel dies Bauernhaus, Langelohstraße 136. Von der Deele aus selbstverständlich. Läßt den Lärm der Straße hinter sich und kommt in einen Raum, dessen Wände nach Holz riechen und nach Erde. Auch das Licht ist hier anders. Dunkler, wärmer, wichtiger.

Die Decke ist hoch und luftig, das Gebälk so wie die Türen aus kräftigem Holz. Durch die man durchschauen kann, wenn sie offenstehen: von der Deck durch die sich anschließenden Räume bis durch die Fenster des später gebauten neuen Hauses in den Vorgarten.

Wunderbar. Alles genauso, wie man es sich vorstellt. Bis auf die Geschichte dieses Bauernhauses. Die nämlich ist gar nicht so, wie man sich das vorstellt, sondern: Gebaut ist dieses Haus anno 1766 von Joh. Hinr. Wohrn. Doch es ist danach nicht, wie – man annehmen könnte – Generation für Generation stets an den ältesten Sohn vererbt.

Nein, dieser Bauernhof hat im Laufe der Jahrzehnte viele Besitzer gesehen. Angefangen beim oben genannten Joh. Hinr. Blohm. Doch bereits seine Tochter und ihr Ehemann haben es weiterverkauft. Hans Cristoph Leseberg und dessen Sohn Johann hat u.a. auch einmal gehört. Das war von 1817 bis 1857.

Von da an kehrte ein paar Jahre lang Beständigkeit ein, denn das Haus ging in den Besitz der Familie Sahling über. Hans Sahling war Milchhändler und betrieb fortan fleißig Milchwirtschaft auf dem Hof. Mit einem kleinen Laden, den er im Anbau des alten Bauernhofes einrichtete und der bis vor wenigen Jahren noch so manche Mark einbrachte.

Ja und dann, im Jahre 1966, wurde erst einmal alles anders. Die Gesellschaft für Marktforschung zog ein. Die alten Fachwerkbalken, Türen und Holzfußböden wurden blau gestrichen und nicht Milch, sondern Papier wurde die Existenzgrundlage des Hauses.

Als 1989 Peter Sieger den Hof erwarb, war der Zustand des Bauernhofes weit entfernt von allem Ursprünglichen. Oder auch nicht, denn Rohre; Leitungen und sanitäre Anlagen waren eher so wie zu Kaisers Zeiten. Und wie gesagt, alles Holz war blau. Ein gutes Stück Arbeit lag an. Und ein Problem, denn Peter Siegers Wohnsitz ist seit Jahren nicht etwa Deutschland, sondern Portugal.

Doch wozu hat man einen Bruder? Der die eigene Leidenschaft für schöne, alte Dinge teilt und darüberhinaus auch noch handwerklich nicht gerade unbegabt ist.

So fuhr Peter Sieger wieder nach Portugal und legte die Restauration in die Hände jenes besagten Bruders, der sogleich mit einigen anderen hilfreichen Händen die Arbeit in Angriff nahm.

Das Gebälk wurde geprüft und erneuert, die Fußböden und Treppen in nächtelangen Aktionen von Teppichboden, Spachtelmasse und Kleber befreit, die blaue Farbe überall mühsam abgehobelt, abgebrannt und abgeschmiergelt, neue Rohre verlegt und die sanitären Anlagen renoviert oder umgebaut. Mit einer traumhaften, riesigen Badewanne und vielen, antiken Details.

Die sammelte man auf Flohmärk/en und in Antiquitätengeschäften zusammen. Von den geschmiedeten Türgriffen bis zur Ziehvorrichtung, die den Wasserkasten im Badezimmer bedient. Alles ist sorgsam und mit Liebe ausgesucht und hergerichtet. Vielleicht ist es sogar so, daß dieses Haus noch nie so schön war wie dieser Tage.

Und es ist wie geschaffen für große Feste. Familienfeste. Die waren es auch, die Peter Sieger im Sinn hatte, als er den Hof kaufte. Er wollte ein Haus, das Treffpunkt der ganzen Familie ist. In dem man Geburtstage feiern kann und Weihnachten, den Sommer oder eine Hochzeit. Ein Haus in dem Platz ist für alle.

Die Feuerprobe hat es bereits bei seiner Einweihung bestanden. Als Hinz und Kunz und sogar das spanische Königshaus anwesend waren. Da zog das Leben wieder ein. Man feierte mit Sekt und Seher, großem Buffet. Musik und Tanz. Ganz wie in alten Zeiten.

Der Artikel für Sie zum Download: Klönschnack 1990 Bauernhaus [pdf].