Bericht über das Treffen von Nils Peter Sieger mit Pater Josef Johler in der Guajira, Venezuela

Im Spätsommer 1979 trifft Nils Peter Sieger in Venezuela auf Pater Josef Johler, der 150 km vom ersten SOS Kinderdorf entfernt seit vielen Jahren etwa 30.000 Indianer-Waisen betreut. Wir bringen den Bericht im vollständigen Wortlaut und zum Download.

Bericht über mein Treffen mit Pater Josef Johler in der Guajira.

Von Nils Peter Sieger (Herbst 1979).

Die Guajira ist die Halbinsel nördlich von Maracaibo) (Venezuela.), die noch heute von wilden Indianern bewohnt wird. Dort leben etwa 80.000 Einwohners Eingeborene, die laut Pater Johler zu 60 % unter 19 Jahre alt sind. Die Armut in dieser Gegend ist unbeschreiblich groß, das Land ist trocken und unfruchtbar. Vor 20 Jahren kam Pater Johler (Salesianer) in diese Gegend, betreute die deutschsprechende katholische Gemeinde in Maraibo. Mit 2 italienischen Salesianer-Patres zog er sich dann in die Guajira zurück.. Hier befindet sich ein Jugenddorf, DON BOSCO, eine landwirtschaftliche Jugend-Einrichtung, in der ca. 500 Jungen aus der Guajira: unter Aufsicht der Salesianer aufwachsen.- Von Fachkräften werden sie in der Landwirtschaft ausgebildet. Es sind meist Jungen aus asozialen Verhältnissen. Die Ausbildung und die Unterkunft für die Jungen ist ausreichend und gut.

Nils Peter Sieger mit Hermann Gmeiner

Nils Peter Sieger mit Hermann Gmeiner

Pater Johler, der aus Oberstauffen im Allgäu stammt, hat sich jedoch mit Einwilligung seines Salesianer-Vorgesetzten selbständig gemacht und kümmert sich nunmehr ausschließlich um die Betreuung der Jungen und Mädchen in den Indianer-Siedlungen der-HalbinseI. Sie gehört zwar politisch halb zu Venezuela, halb zu Columbien, aber keine der beiden Regierungen kümmert sich um sie.

So fährt Pater Johler mit einem klapprigen Volkswagen oft Wochen und Monate auf der Halbinsel umher und kümmert sich darum, daß die Indianerkinder, die zum großen Teil von den Eltern verlassen werden oder von den columbianischen Indianern auf die- venezolanische Seite abgeschoben werden, mit seinen geringen Mitteln etwas betreut werden.- Er hält Katechismus-Unterricht und versucht, die größte Not der Kinder- durch kleine nutzbringende Dinge zu lindern. So sammelt er Geld, um Blechgefäße kaufen zu können, die er gezielt auf die 550 km lange Halbinsel verteilt und mit Wasser gefüllt aufstellt. Die Kinder kennen diese „Oasen“ in der Dürre und laufen oft bis zu 10 km, um gemeinsam daraus Wasser zu trinken.

Laut Pater Johler, einem etwa 47 Jahre alten, fröhlichent.bescheidenen und freundlichen Mann, dem wir in seiner echten Kinderarbeit,helfen sollten, sterben die verlassenen und hungernden Kinder in dieser Region zu Hunderten. Er selbst verdient sich das Geld für seinen bescheidenen Unterhalt, seine Reisen und seinen Unterricht damit, daß er von den Indianern handgearbeitete Gegenstände in Caracas verkaufen läßt.

Als enger Nitarbeiter von Herrn Dr. Hermann Gmeiner, SOS-Kinderdorf International, habe ich Pater Johler im Spätsommer 1979 kennengelernt und ihm bei seiner Missionsarbeit zugeschaut. Wenn wir nicht in der Nähe seiner Station, in etwa 150km Entfernung, in der Stadt Maracaibo gerade ein SOS-Kinderdorf errichtet und eingeweiht hätten, wären wir sicherlich bereit, seine Sorgen zu beheben und ein ähnliches Projekt mit Pater Johler aufzubauen.- Dieser war vor 15 Jahren einmal in Österreich und hat sich das Kinderdorf in Imst bei Innsbruck angeschaut, kennt Dr. Hermann Gmeiner vom Namen her, auch sind ihm die SOS-Kinderdörfer in der Welt von Ber4hten bekannt..

Der deutschen Botschaft, dem Botschafter Dr. Redies, Caracas, und auch der deutschsprechenden Gemeinde in Maracaibo ist die legendäre Figur des Pater Johler ein Begriff, und man verehrt ihn in Maracaibo wie einen Heiligen.. Finanzielle Hilfe erhält er jedoch nicht. Es haben ihn schon viele Leute von der Presse besucht, die ihn baten, Berichte und Farbbilder an die Redaktion zu senden, man würde ihm dann durch Veröffentlichungen helfen. Bis heute erhielt er aber von keiner Seite echte Hilfe. Er ist inzwischen müde geworden, Berichte und Fotos zu versenden. Meine Bitte an Freunde. und Schulklassen in Deutschland:

„Laßt uns dem guten Pater Johler helfen! Er betreut fast 30.000 Kinder auf der Indianer-Halbinsel.“

Der Bericht für Sie zum Download: Bericht über das Treffen von Nils Peter Sieger mit Pater Josef Johler in der Guajira, Venezuela

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Nils Peter Sieger über den Aufbau der spanischen SOS Kinderdorf-Organisation von 1979 – 1990

In seinen Erinnerungen beschreibt Nils Peter Sieger den Aufbau der spanischen SOS Kinderdorf-Organisation in den Jahren von 1979 bis 1990. Wir bringen das Kapitel in voller Länge und zum Download.

Die Entstehung des spanischen SOS Kinderdorf Dachverbandes aus meiner persönlichen Erinnerung

Von Nils Peter Sieger

Die folgende Geschichte ist eine kurze Zusammenfassung meiner Erinnerungen der Zeit des Aufbaus des SOS Kinderdorf Dachverbands in Spanien, zwischen 1979 und 1990. Die spanische Endfassung dieser Geschichte kann sich etwas ändern, aber ich fände es schade wenn all zu viel verloren ginge.

Es war im Jahre 1988-1989, als ich in Vertretung von KDi das Kinderdorf in Maracaibo – Venezuela einweihte und anschliesend zu einer “Emergency-Besprechung“ nach Innsbruck geladen wurde.

Hermann Gmeiner und ein Team von Mitarbeitern versammelten sich, um über die unzumutbaren Umstände der Kinderdörfer, “Tibidabo“ und “San Filu de Condinas“ zu berichten.

In Barcelona gab es seit Jahren einen SOS Kinderdorf Verein, der neben Tibidabo in einem Privathaus funktionierte, welches Frau Monserrat de Julia, einer Bekannten von Hermann Gmeiner und Gründerin des SOS KD in Catalunha, gehörte. Paralel war auch ein Kinderdorf in Vigo-Redondela gegründet worden, welches der Leitung von Frau Rita Regojo unterlag, Frau eines bekannten galizer Poilitikers und Mutter sieben Kinder.

Meine Aufgabe wurde mir von Hermann Gmeiner persönlich erteilt. Es galt einen Dachverband in Madrid zu gründen, der die beiden bereits bestehenden Institutionen integrierte. Es sollte eine neue demokratische Ordnung erstellt werden, die einem Dachverband untergeordent werden sollte: “SOS Kinderdorf de Espanhä“.

Nils Peter Sieger und Juan Belda Becerra, der Präsident von SOS KInderdorf Spanien, bei der Gala zum 25-jährigen Bestehen der Organisation

Nils Peter Sieger und Juan Belda Becerra, der Präsident von SOS Kinderdorf Spanien, bei der Gala zum 25-jährigen Bestehen der Organisation

Zu diesem Zeitpunkt (1989-1990), war Herr Dr. Schellenberg, Österreichischer Botschafter in Madrid. Durch seine Kontakte, erlangte er für Hermann Gmeiner, Frau Monserrat de Julia und mich, eine Audienz bei König Juan Carlos.

Der Termin war bestätigt und wir flogen einen Tag zuvor in Madrid ein. —. Es war ein äußerst warmer Tag. Wir kamen spät in unserem Hotel in Madrid an.

Am darauf folgenden Morgen — Hermann Gmeiner war etwas angespant — fragte er mich Dinge wie: “ Wo sind wir?“, “ Welche Währung benützt man hier?“. Ich antwortete ihm: “Hermann um 10 Uhr kommt der Wagen des Botschafters und um 11 Uhr beginnt die Audienz beim König Juan Carlos in der Zarzuela.“ — Und versuchte ihn etwas zu beruhigen.

Der Wagen des Botschafters fuhr pünktlich vor und die Audienz begann um 11 Uhr wie vereinbart.

Sie begann mit einer Presentation des Botschafters Schellenberg, in der er Frau Monserat de Julia, Herman Gmeiner und mich als auch die Grundlineien des SOS Kinderdorf-Vereins vorstellte. (Fotos dieser Audienz befinden sich im Büro Juan Beldas).

Dann übernahm Hermann Gmeiner das Wort. — Ich erinnere mich noch sehr gut daran wie Hermann sich zu mir umdrehte und sagte:

Nils, sage dem «Bub» doch bitte folgendes Ich überstetze und König Juan Carlos hörte aufmerksam zu.— Dann Antwortete König Juan Carlos ebenfalls in Deutsch: “Nils und jetzt sage doch Du dem «Bub» bitte folgendes (…)“. — Alle lachten und das Eis war gebrochen.

Daraufhin begann unsere ExF5osition der Idee der Gründung einer Dachorganisation der SOS Kinderdörfer in Spanien. — Ein Representant des spanischen Sozial-Ministeriums, erwähnte daruf, d~ß es im Büro Adolfo Suarez, eine sehr kompetenten Juristen, Namens Juan Belda gäbe, der uns bei der Erstellung der Statuten behilflich sein könnte.

Der König stellte uns dann seinen Sohn, Prinz Filipe, als Ehrenpresident zur Verfügung. Eine große Ehre für unseren spanischen SOS-KD Verein.

Nach Abreise Hermann Gmeiners und Moserrat de Julia, begab ich mich in Adolto Suarez‘ Büro in Miguel Angel nr.14 und lernte den freundlichen Anwalt Juan Belda, Familienvater von vier Töchtern und seine Frau Sonja, kennen.

Genau zu diesem Zeitpunt, verlor Adolfo Suarez damals die Wiederwahl zum Staatspresidenten an Filipe Gonzales. Das Schadete natürlich dem Büro. Suarez war diverse Kompromisse eingegangen, die er nunmehr hicht erfüllen konnte und verlies das Büro. Juan Belda war also alleine mit all der Arbeit und den Kompromissen des zuvorigen Staatspresidenten, seinem Partner.

Juan war in einer schwierigen Situation. Trozdem nahm er sich meiner, und der Gründung des SOS — KD Dachverbands für Spanien an, ohne zunächst dafür bezahlt zu werden. Doch seine Hilfe an einem in Spanien existierendem Problem: mittellosen bzw. Elternlosen Kindern zu helfen, war es ihm — einem Familienvater — die Mühe wert.

Die Arbeit nahm von Tag zu Täg zu und ich bedrängte ihn ständig mit neuen Ideen für den Bau des Escorial Dorfes. — Damals gab es noch Silveiro Fernandez einen Immobilienmakler, der nebenbei Theologie studierte und der mich jeden Morgen pünktlich um acht Uhr bei Infanta Margarida abholte um mit mir zur Messe zu den Jesuiten zu gehen.

Wir suchten ein geeignetes Grundstück im teuersten Viertel vom Escorial. — So kam es, daß wir uns an Pepe Fernandez, dem damaligen Bürgemeister wandeten. — Silveiro fuhr mich in sein Büro, lies mich dort alleine zurück, weil er es als eine Zumutung empfand, den Bürgermeister um die Schenkung eines Grundstück zu ersuchen.

Mit reichlich Erfahrung aus Venezuela ausgerüstet, unterbreitete ich Pepe den folgenden Vorschlag:

Wenn es ihm gelänge uns das Grundstück zu schenken, könnte er – für Fall bei den nächsten Bügermeisterwahlen nicht wiedergewählt zu werden — sich wieder dem Baugewerbe zuwenden und eventuell die Bausausführung des Kinderdorfes übernehmen. — Er akzeptierte diesen Vorschlag und es gelang ihm, seinen Ortsvorstand von der Idee zu überzeugen.

Pepe organisierte innerhalb der ‘grünen Fläche“ der Gemeinde ein Grundstück von ca. 3 ha, auf der wir später das Dorf bauten.

Als das Kinderdorf in Escorial soweit fertig gebaut war, begann die Auswhl der KD-Mütter. Für diesen Zweck gaben wir Announcen auf, mit dem Tietel „ Madre — una nueva profission“ — mit einem Bild einer Mutter und einem kleinen Kind auf ihrem Arm. Bei über hundert Bewerberinnen bewarb sich auch ein Mann. Pepe Gonzales; er schrieb: “ soj soltero, viuvo, tengo ficha en una Aldea en Catalhuna. Yo tengo una posicion social batante importante e tengo un tractor Honda. ..procuro una mujer, que saiba cozinhar bien e que saiba montar mi tractor e que trate mia criacön de conejos…“. Er hatte die Anzeige falsch verstanden und dachte wir seinen eine Partnervermittlungsinstitut. — Wir haben den älteren Herrn — 78 Jahre — später besucht und ihm eine Stelle als Gärtner in San Filü angeboten, nachdem wir ihm das Missverständniss erklart haften. Sein Brief wurde später von SOS¬Kdi überstezt und als Anekdote im Kinderdorfmagazin veröffentlicht.

Als man das KD in Escoril, das erste des SOS KD Dachverbands in Spanien einweihte, beehrte uns IKH Königin Sofia mit ihrer Anwesenheit. Auf.spanische teilte sie uns damals mit, daß ihr Sohn, Prinz Filipe der Ehrenpresident leider nicht anwesend sein könnte, sie ihn aber vertrete — sie mache also seine „Schularbeiten“, was auf das Verständniss der Anwesenden appelierte . Kleine Selbstverständlichkeiten, unter Familien — so wie auch bei unseren SOS-KD-Familien.

Zurück nach Tibidabo und San Filiu, den breits existierenden SOS¬KD in Catalunien. Ausgerüstet mit allen Vollmachten, reiste ich zum ersten Male von Madrid nach Barcelona, um mir die Dörfer Tibidabo und San Filu anzusehen und die Vorstandsmitglieder kennenzulernen.

Pepe Penha, erwartete mich am Flughafen. Er war von Beruf Büro¬Möbel Verkäufer in der Firma seines Vaters. Nebenbei war er freiwilliger Helfer bei SOS Kinderdorf. Er hatte ein gutes Verhältniss zu den Kinderdorf-Müftern. Das machte ihn mir besonders symphatisch. So fuhren wir zuerst nach Tibidabo, daß wirklich alles andere als ein Hermann Gmeiner SOS Kinderdorf war, sondern vielmehr eine umgebaute Familienstätte, in der Kinder und Jugendliche gemeinsam untergekommen waren. Anschliesend fuhren wir bei ströhmenden Regen eine unbefestigte Straße hinunter in das Dorf San FiIu de Condinas, welches zur Gemeinde Sabadell gehört. Ich muß hinzufügen, dass ich erstmals von Sabidell hörte als meine Mutter mir erzählte, daß mein Vater dort die Nachrricht meiner Geburt per Telegramm erhielt, als er als Metereologe in der Flughafenkaserne von Sabadell in der Legion Condor diente.

Hier lernte ich in einen sehr hübschen aber schwer zugänglichen Teil Spaniens und eine rührende Kinderdorf-Familie dessen Mutter Rosa Oberhaupt war, kennen. Ein Großteil ihrer Kinder waren und sind geistig behindert. Es waren noch sechs weitere SOS KD – Familien im Dorf.

Ich hatte eine Wut im Bauch, denn jedesmal wenn ich an die vornehmen Vorstandsmitglieder in Barcelona dachte, für die ich sogar Kravatte anlegen mußte — und diese mit dem hier existierenden Bedingungen vergleichte.

Ich kann mich erinnern, das sich Herr Xavier Borilho damals unter den Anwesenden des Vorstands befand. Es war äußerst beschämend, als ich nach der exakten Lokalisierung des Dorfes San Filu fragte und mir niemand außer Pepe, Auskunft geben konnte, weil sie noch niemals dort gewesen waren. — Diesen Herrschaften war nicht bewußt in welchem Zustand Mutter Rosa und ihre Kinder lebten.

Die Notwendigkeit eines Dachverbands wurde auch mir erst damals so richtig bewußt. Gott sei Dank konnte ich Juan damals überreden sich als President des Dachverbands zu arrangieren.

Nach dem ersten Aufbaujahr flogen Juan und ich flogen nach Imst, um ihn (Juan) Hermann Gmeiner vorzustellen.

Als wir Nachts in lmst ankamen, fuhren wir mit dem Taxi hinauf ins Kinderdorf. Auf dem Wege entdeckte Juan ein beleuchtetes Haus — das Rathaus. Er erzählte mir dass, er vor vielen Jahren, als er noch Leiter des Viehzucht Verbands Andaluziens war, genau in diesem Gebäude für den Ankauf von jedem österreichischen Rind einen Schnaps hätte trinken müssen. — Eine äußerst amüsante Geschichte; und welch ein Zufall, oder etwa Fügung — nach so vielen Jahren hier noch einmal vorbei zu kommen.

Am Morgen darauf trafen wir uns mit Hermari Gmeiner in seinem bescheidenen Arbeitszimmer, um uns auszutauschen. Eine Kinderdorf-Mutter machte uns Frühstück und wir sprachen über den Dachverband in Madrid. Zum Abschied, sagte Hermann zu Juan: ‘Wenn Du einmal 100.000 Mitglieder hast, sehen wir uns wieder!“

Heute, gut 20 Jahre nach dem geschilderten, ist es soweit. — Doch leider ist Hermann in der Zwischenzeit verstorben und Juan ist President des spanischen Kinderdorf Vereins. Er hat weitere sechs Dörfer errichtet denen der Herman Gmeiner Fond nicht mehr helfen muß. Spanien ist heute ein “blühendes Kinderdorf-Land“. Mit ca. 100.000 eigenen Mitgliedern.

Juan Belda war in er Anfangsphase wirklich sehr gefordert und die Arbeit stieg ihm über den Kopf. Nicht nur, daß er seinen Partner in der Kanzlei verlor, der ihn mit vielen Problemen alleine lies, sonderen auch der breits funktionierende Verein mit einem viel zu vornehmen Vorstand, der ihn (Juan) manchmal zu häftig kritisierte — obwohl er es doch nur gut meinte.

Einmal wurde es selbst mir zuviel, als man ihm diverse Dinge vorwarf, so das ich aufstand und als offizieller Vertreter von SOS KD sagte das Juan ‚fähig“ ist.

Ich weiß nämlich genau, daß in der Zarzuela damals im Beisein des IKH gesagt wurde „ Juan es capable“ — sagte der König selbst. Ich war so wütend darüber, daß man ihn andauernd kritisierte, dass ich vergaß was das spanische Wort für fähig ist und so übersetzte ich es frei aus dem portugiesischen, obwohl es im spanischen einen ganz anderen Sinn hat. Alle Anwesenden mußten damals lachen.

Juan zitiert noch heute oft gerne diesen Satz; von Nils — seinem deutschen Freund.

Eine der wichtigen Personen die es verdient genannt zu werden, ist Prinzessin Sophia von Habsburg. Wir lernten sie kennen, als wir in Marbella eine Promotionsveranstaltung auf der Caralela EVERI gaben. Sie erschien mit ihrem damaligen Freund Philipp Junot — frisch geschieden von Prinzessin Caroline von Monaco.

Beide setzten sich damals für uns ein und Sophia zog sogar nach Madrid um in unserem Büro die „Kinderdorfidee“ zu fördern. Sophia lebt heute in Rom. Wir haben ihr viel zu verdanken!

Wahrscheinlich war auch sie der Grund, weshalb sich uns damals ein Freund Juan Beldas, Frederico Major Zaragoza, anschloss — der später President der UNESCO Paris wurde und der heute noch Mitglied des Consejo Ascesor ist.

Eine andere Geschichte im spanischen SOS-KD Dachverband war unsere Galeon EVERI — die Replika einer spanischen Caravela. Sie bereitete uns viel Spass, aber auch Arger.

In jedem Hafen in dem wir anlegten, erregten wir Aufsehen, so dass wir die 505 KD – Organisation gut promovierten. Um mehr Informationsmaterial unter die Bevölkerung zu bringen, waren wir mit Postern und Broschüren ~n Bord, wo man uns besuchen und mehr über die Kinderdörfer erfahren konnte.

Als das Schiff dann später erst in Cartagena und dannach nochmals in Sevilha versank, beendeten wir die Werbereise mit der Kolumbus Caravela, über die sehr viel in allen spanischen und auch internationalen Medien berichtet wurde.

20 Jahre später:

Dank Juan Belda und dem König Juan Carlos, durch den wir diesen hervorragenden Presidenten haben kennenlernen dürfen, haben wir es geschafft, einen gut gehenden Dachverband zu bilden und den Namen “Aldeas SOS“ als bekanntgewordenes Markenzeichen für Hilfe an elternlose Kinder und Jugendliche in Spanien zu bestätigen.

Monserrat de Julia hat sich später in den Dachverband integriet und Tibidado aufgelöst.

Die lehmige Strasse nach San FiIu, in dem die großartige Mutter Rosa ihre Kinder aufzog, wird endlich asphaltiert.

Xavier Borilho ist Vize-President und leitet das Projekt in Catalunien.

Ich erhielt nach all den Aufbauarbeiten in Spanien und nach 15 Jahren Arbeit in Portugal und Latein America, die höchste Auszeichnung, vom deutschen Bundespresidenten selbst: das Bundesverdienstkreuz — mit der Laudation ich häfte zum Guten Ruf der Bundesrepublik im Ausland beigetragen.

Das war ein sehr schönes Geschenk und vor allem einen Anerkennung meiner Bemühungen.

Gerade deshalb habe ich eine sehr herzliche Verbindung zu unserem spanischen Dachverband — der auch heute noch immer mit meiner Hilfe rechnen kann.

Nils Peter Sieger

Der Artikel für Sie zum Download: Erinnerungen SOS KInderdorf Spanien Gründung von Nils Peter Sieger (pdf)

Die Anglo-Portuguese News über Nils Peter Sieger: Estoril resident honoured with German Cross of Merit

Die Anglo-Portuguese News berichtete am 23.3.1989 über die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Nils Peter Sieger. Wir geben der Artikel in deutscher Übersetzung und in der englischen Originalfassung wieder.

Bürger von Estoril mit Bundesverdienstkreuz geehrt

Aus: Anglo-Portuguese News (23.3.1989)

Der Estoriler Nils Peter Sieger wurde von der westdeutschen Regierung mit dem Bundesverdienstkreuz, dem angesehen zivilen Orden, ausgezeichnet. Die Auszeichnung wurde Herrn Sieger vor kurzem vom westdeutschen Botschafter in Portugal in einer besonderen Zeremonie in der Botschaft in Lissabon übergeben. Peter Sieger ist in Portugal gut für seine ehrenamtliche Arbeit als internationaler Vertreter für die SOS-Kinderdörfer bekannt, einer weltweiten Non-Profit-Organisation, die Häuser für Waisenkinder betreibt.

Nils Peter Sieger in Begleitung seiner Eltern Dr. Friedrich Sieger und Elisabeth Sieger

Nils Peter Sieger in Begleitung seiner Eltern Dr. Friedrich Sieger und Elisabeth Sieger

Mit Sitz in München betreibt die Organisation Dörfer rund um den Globus, darunter eines in der Nähe von Estoril. Peter hat freiwillig für 20 Jahre für die SOS-Kinderdörfer gearbeitet und ist derzeit verantwortlich für Organisation in Spanien. In der Vergangenheit hat er für SOS in Haiti, Santo Domingo, Panama, Venezuela und Bogota gearbeitet. In seiner Rede an Peter und seine Familie lobte der deutsche Botschafter ihn für die enorme Menge an Arbeit, die er für SOS während dieser 20 Jahre geleistet hat während er zur gleichen Zeit eine erfolgreiche Karriere als Geschäftsmann aufgebaut hat.

Obwohl Peter ein westdeutscher Bürger ist, lebt er seit 27 Jahren in Portugal und ist ein prominentes Mitglied der Lissaboner Geschäftswelt. Er Partner bei Finurba, einem internationalen Handels-und Projektentwicklungs-Unternehmen, das vor 25 Jahren mit gegründet hat. Bei der Ehrung in Lissabon waren anwesend Peters Eltern, Dr. Friedrich Sieger, ein Meteorologe, und seine Frau Elisabeth, sowie ein Bruder und eine Schwester, die aus Peters Heimatstadt Hamburg angereist. „Es ist eine wunderbare Sache“, sagte Peter in seinem Haus in Estoril in dieser Woche. „Es war eine große Überraschung, und ich habe immer noch keine Ahnung, wer mich dafür empfohlen hat.

Der Artikel zum Download: Anglo-Portuguese News 23.3.1989

Englische Originalfassung des Artikels aus Anglo-Portuguese News

Estoril resident honoured with German Cross of Merit

From: Anglo-Portuguese News (23.3.1998)

ESTORIL resident Mr. Nils Peter Sieger has been awarded the Cross of Merit, the most prestigious civilian medal given by the West German Government. The medal was presented to Mr. Sieger recently by the West German Ambassador to Portugal, in a special ceremony at the Embassy in Lisbon. Peter Sieger is well known in Portugal for his voluntary work as an international representative for the SOS Children‘s Villages International, a worldwide non profit-making organisation, which provides homes for orphans.

Nils Peter Sieger flanked by his parents Dr. Friedrich Sieger and Elisabeth Sieger

Nils Peter Sieger flanked by his parents Dr. Friedrich Sieger and Mrs. Elisabeth Sieger

Based in Munich, the Organisation now has villages around the globe, including one near Estoril. Peter has worked voluntarily for 20 years for the SOS Children‘s Villages, and is currently in charge of operations in Spain. In the past he has worked for SOS in Haiti, Santo Domingo, Panama, Venezuela and Bogota.

In his speech to Peter and his family the German Ambassador praised him for the tremendous amount of work he had achieved for SOS during those 20 years, and at the same time carrying on a successful business career. Although Peter is a West German citizen, he has been resident in Portugal for 27 years, and is a prominent member of the Lisbon business community.

He is a partner in Finurba, an international trade and development company, which he helped establish 25 years ago. The presentation ceremony was attended by Peter‘s parents, Dr. Friedrich Sieger, a meteorologist, and his wife Elisabeth, as well as a brother and sister who travelled from Peter‘s home city of Hamburg to be in Lisbon for the occasion. “lt is a wonderful thing to happen,“ said Peter at his Estoril home this week. “It was a big surprise too, and I still have no idea who recommended me for it.

Geschäfte mit einem Hauch von Abenteuer: Die Portuguese Review über Nils Peter Sieger

Die Lissaboner Portuguese Review veröffentlichte im Dezember 1993 einen ganzseitigen Artikel über den Werdegang von Nils Peter Sieger. Diesen Artikel geben wir in deutscher Übersetzung wieder.

Menschen in Lissabon: Geschäfte mit einem Hauch von Abenteuer 

Aus: Portuguese Review (Dezember 1993)

In 1961 trampte Nils Peter Sieger durch Europa und blieb in Lissabon stecken – mit nichts als seinem Rucksack. Sein erster Anzug war ein Geschenk von Dr. Maric Mosqueira do Amaral (heute immer noch ein enger Freund), was ihm eine Lehre bei der Banco Espirito Santo e Comercial de Lisboa ermöglichte.

Eine Stadt der Nostalgie

Lissabon, die nostalgischste Hauptstadt Europas zu jener Zeit, war in einem Tagtraum über seine glorreiche Vergangenheit befangen. Politische Diskussionen über Portugals Bestimmung liefen darauf hinaus, die überseeischen „Provinzen“ niemals aufzugeben gegen den zunehmenden Druck von außen, insbesondere der USA. Im gleichen Jahr wurde der portugiesische „Staat von Indien“ von der indischen Armee besetzt und Salazar sandte 30.000 Soldaten nach Angola, um es vor „Chaos und Kommunismus“ zu schützen, die durch den benachbarten Kongo fegten.

Der 22-jährige Lehrling aus einer Privatbank in Hamburg kam aus einer Familie mit einem starken Sinn für Tradition und Wertschätzung für den Charme der vorindustriellen Zeit – beides hatte Lissabon im Überfluß. (Jahre später, als er es sich leisten konnte, wurde Sieger, ein Offizier der deutschen Marine, ein leidenschaftlicher Sammler von antiken nautischen Instrumenten, Karten und Büchern). Aber Sieger spürte den Wind des Wandels in Portugal, und war hungrig nach Erfolg.

Nils Peter Sieger Business with a sense of adventure - Portuguese Review (1993)

Nils Peter Sieger Business with a sense of adventure – Portuguese Review (1993)

Eine Partnerschaft für den Erfolg

Er fand den Partner für seine großen Ideen in Dieter Kleinschmidt, der in der Bucht von Cascais in 1962 gestrandet war während der Überführung eines Segelbootes nach Portugal. Die beiden Männer ergänzten einander und der Hauch des Abenteuers, der über ihrem Treffen lag, durchwehte auch ihre Geschäfte.

Während Sieger durch seine Fantasie und Vision angetrieben wurde, war Kleinschmidt skeptisch, inquisitorisch, detail-orientiert und praktisch. Mehrere Jahre vergingen, bevor sie sich zusammentaten: Kleinschmidt ging zurück nach Deutschland um seine Architekturstudien zu beenden und Sieger verdiente seinen Lebensunterhalt durch Deutschunterricht in den Abendstunden während er tagsüber bei der Bank Espirito Santo arbeitete. Unterdessen knüpften sie ein Netzwerk von Kontakten in beiden Ländern, das sich als Aktivum erweisen sollte, als sie im Jahr 1967 ihre Firma Finurba gründeten.

Ein breites Portfolio

Nur wenige Unternehmen in der portugiesischen Immobilienbranche sind mit Finurba in der Vielfalt der Dienstleistungen zu vergleichen: Investment Consulting, Projektierung und Finanzierung, Architektur, Engineering und Bauüberwachung. Ihre Referenzliste enthält industrielle Komplexe, Bürogebäude, Kirchen, Schulen, Fünf-Sterne-Hotels, touristische Entwicklungen, Einkaufszentren, Golfplätze und private Residenzen. „Flexibilität ist unsere Basis. Wenn andere nicht wissen, wie man weitermachen soll, schaffen wir einen unkonventionellen Konzept und suchen die richtige Konstellation und die besten Partner „, erklärt Kleinschmidt.

Nach dieser Devise expandierten sie in den Nahen Osten und das portugiesischsprachige Afrika. Obwohl Geschäftsmöglichkeiten verlorengingen, als die Kolonien schließlich ihre Unabhängigkeit erlangten, blieben Kontakte und Freundschaften. Derzeit plant Finurba ein Resort auf der Insel Sao Tomé im Golf von Guinea und ein 90 ha großes Gewerbegebiet in Palmela in der Nähe von Setúbal.

Für die Opfer der Erdbeben-Katastrophe in Algerien entwickelten sie „portable“ Häuser aus Komponenten von Polyurethan-Schaum und Stahlgerüsten. In den Jahren nach der Revolution, als Portugal von den Anlegern gemieden wurde, machte diese Produkt, das nach Venezuela, Brasilien, Saudi-Arabien und Sudan exportiert wurde, Finurba international bekannt.

Zukunftsaussichten

Beide Partner haben ein starkes soziales Engagement. Kleinschmidt war für die Deutsche Schule aktiv und Nils Peter Sieger für die SOS-Kinderdorf-Organisation in Lissabon. Er hat zum Aufbau der Kinderdörfer in der Karibik, Südamerika und Spanien über viele Jahre maßgeblich beigetragen. Derzeit ist er behilflich mit der Organisation eines SOS-Kinderdorfes in Sta. Cruz de Tenerife.

Neben der Verwaltung ihres Bestandes von Lissaboner Bürogebäuden, Villen und Freizeitparks gründeten Sieger und Kleinschmidt kürzlich Arqueonautas SA, ein Unternehmen, das auf die Bergung von Schiffen vor der portugiesischen Küste, die zwischen dem l6. und l9.Jahrhundert versunken sind, spezialisiert ist. Am 30. September verkauften sie Finurba an Caspen Oil, ein Unternehmen, das an der amerikanischen Börse notiert ist und seit kurzem in die europäischen Immobilien- und Energiemärkte investiert. Beide bleiben Direktoren bei Finurba, und es wird interessant sein, die Ergebnisse dieser Ehe zwischen einem individualistischen europäischen Unternehmen und einem amerikanischen Ölkonzern sehen.

Der Artikel zum Download: Nils Peter Sieger_Business_with_a_sense_of_adventure

Englische Version des Artikel aus Portuguese Review

People, in Lisbon: Business with a sense of adventure

From: Portuguese Review (Dezember 1993)

In 1961 Peter Sieger hitch-hiked through Europe and got stuck in Lisbon, carrying nothing but his backpack. His first suit was a gift from Dr. Märic Mosqueira do Amaral (still a close friend today) which enabled him to start an apprenticeship at the Banco Espirito Santo e. Comercial de Lisboa.

A city of nostalgia

Lisbon, easily the most nostalgic capital of Europe at that time, was lost in a daydream about its glorious past. Political discussions centered on Portugals determination never to give up its overseas “provinces“, against mounting external pressure, particularly from die U.S. In the same year the Portuguese “State of India“ was occupied by the Indian army, and Salazar sent 30,000 troops to Angola to protect it from “chaos and com¬munism“ sweeping the neighbouring Congo.

The 22 year old apprentice from a private bank in Hamburg came from a family with a strong sense of tradi¬tion and appreciation for the charm of the pre-industrial era, both of which abounded in Lisbon. (Years later, when he could afford it, Sieger, an officer in the German naval reserve, became a passionate collector of antique nautical instruments, ancient maps und books). But Sieger sensed the wind of change engulfing Portugal, and his mercurial tempera¬ment was hungry for success.

A partnership for success

He found the partner for his grand ideas in Dieter Kleinschmidt who was stranded in the bay of Cascais in 1962 while transferring a sailing boat to Portugal. The two men comple¬mented each other, and the note of adventure on which they met carried over into their business dealings.

While Sieger was driven by his imagination und vision, Kleinschmidt was was sceptical, inquisitive, detail-oriented und practical. Several years passed before they joined forces: Kleinschmidt re¬turned to Germany to finish his archi¬tecture studies und Sieger earned his living by teaching German in the evenings while working at die Espirito Santo bank in the daytime. Meanwhile, they built a network of contacts in both countries, which proved an asset when, in 1967, they founded their cornpany Finurba.

A wide portfolio

Few companies in Portugal‘s property development sector can compare with Finurba in the variety of Services of¬fered: investment consulting, project planning und financing, architecture, engineering and construction supervision. Their reference list includes industrial complexes, office buildings, churches, schools, five-star hotels, tourist developments, shopping centres, golf courses and private residences. “Flexibility is our basis. When others don‘t know how to go on, we create an unconventional concept und look for the right constellation and match¬ing partners“ explains Kleinschmidt.

With this motto they expanded into the Middle East and Portuguese-speaking Africa. Though business opportunities were lost when the colonies finally gained independence, contacts und friendships remained. At present Finurba is planning a resort on the island of Sao Tomé in the Gulf of Guinea and a 90 ha industrial park in Palmela, near Setübal.

For the victims of an earthquake catastrophy in Algeria they developed “portable“ houses assembled from components made of polyurethan foam sandwiched between a steel framework. In the years after the revo¬lution, when Portugal was shunned by investors, this product, which was exported to Venezuela, Brazil, Saudi¬ Arabia und Sudan, made Finurba known internationally.

Future prospects

Both partners have a strong social commitment. Kleinschmidt has been active for the German School in Lis¬bon and Sieger for the SOS Children‘s Villages organisation. He has helped to build up children‘s villages in the Caribean, South America and Spain for many years. At present he is assisting in the organisation of an SOS Chil¬dren‘s Village in Sta. Cruz de Tenerife.

Besides their holdings of Lisbon office buildings, villas and leisure prop¬erties, Sieger and Kleinschmidt recently founded Arqueonautas S.A., a company specialised in raising ships sunk off the Portuguese coast between the l6th and l9th centuries. On Sep¬tember 30th, they sold Finurba to Caspen Oil, a company listed on the American stock exchange, which has recently bought into the European property and energy markets. They both remain directors of Finurba, and it will be interesting to see the results of this marriage between an individu¬alistic European enterprise and an American oil corporation.

Verschollen ist nicht Verloren: Interview mit Nils Peter Sieger, dem Gründer und Finanzier von Arqueonautas

Der bekannte Reiseschriftsteller, Kinderbuchautor und Publizist Peter Reinhold, der seit kurzem mit seiner brasilianischen Frau Fátima in Lissabon wohnt, interviewt Nils Peter Sieger aus Estoril. Selber oft abenteuerlich unterwegs in ca. 80 Ländern, zuletzt 10 Jahre in Brasilien zuhause, musste es irgendwann zur Begegnung mit diesem Mann kommen, der in seiner Wahlheimat Portugal schon gern einmal beim Kamingespräch sein bisher aufregendes Lebens revuepassieren lässt.

PR: Herr Sieger – darf ich Sie als Freund mit ähnlich interessanter Vergangenheit der Einfachheit halber duzen?

NPS: Nur zu, lieber Peter.

PR: Also, lieber Nils Peter, dein Lebenslauf liest sich so spannend, wie man es vom Ambiente entnehmen kann, das uns in deinem Haus in Estoril umgibt. Seit wann wohnst du hier?

NPS: Als selbständiger Unternehmer pendel ich seit über 45 Jahren zwischen meinem Heimatort Blankenese bei Hamburg und Estoril.

PR: Aber doch nicht nur auf dieser Route zwischen Deutschland und Portugal?

NPS: Oh nein, wie du meinem Lebenslauf ja bereits entnommen hast, gibt es eine ganze Reihe von Ländern, die mehr als nur farbige Konturen in mein Lebensbuch gezeichnet haben: Saudi Arabien zum Beispiel und der Sudan, Haiti, Panama und Venezuela, abgesehen von all den anderen Destinationen in Europa wie Monaco, Spanien und natürlich den Ländern portugiesischer Sprache.

PR: Vor allem als Mitglied des weltweiten Hermann-Gmeiner Fonds, besser bekannt unter dem Namen „SOS – Kinderdörfer“.

NPS: Bestimmt eine Aufgabe, die mein Leben stark beeinflusst hat. Aber ausser dem Aufbau etlicher SOS-Kinderdörfer in aller Welt, was ja eine ehrenamtliche Arbeit war, musste ich als Unternehmer auch meine geschäftlichen Interessen wahrnehmen, was mich in viele Länder auf unserem Globus geführt hat.

PR: Was bist du nun eigentlich von Beruf? Was hast du studiert oder gelernt?

NPS: Ein ordentliches Studium habe ich nie absolviert, dafür eine ganz normale Banklehre bei einer Hamburger Privatbank.

PR: Das klingt noch nicht unbedingt nach Abenteuer.

NPS: In der Tat, aber warte es ab. Etwas später habe ich an einem Marine-Offiziers-Lehrgang in der Kaiserlichen Marine-Schule Mürwick bei Flensburg teilgenommen und es dort immerhin bis zum Oberleutnant d.R. gebracht.

PR: Und bist dann auf diesem Weg in Portugal hängengeblieben?

NPS: Keineswegs. Als ich 20 Jahre alt war, hatte ich mein Bankkaufmanns-Diplom der Hamburger Handelskammer in der Tasche und jobte zunächst als Kofferträger im „Hotel Marseille“ auf Mallorca. Per Anhalter gelangte ich dann via Barcelona und Madrid nach Lissabon. Hier stellte mich ein deutscher Antiquar als seine „Putzfrau“ ein, womit sich mein Unterhalt in einem bescheidenen Zimmer in der Rua das Taipas im Bairro Alto bestreiten liess.

PR: Das klingt nach der legendären Story „Vom Tellerwäscher zum Millionär“.

NPS: (lacht): du bist zwar auf der richtigen Fährte, Peter, wobei mir allerdings nur die Teller anstatt der Millionen geblieben sind.

PR: Erzähl´, wie ging es weiter?

NPS: Ein Kunde meines Brötchengebers, besagten Antiquars, war ein Direktor der Banco Espirito Santo, der deutsch sprach. Als ich ihm sagte, ich hätte zwar bei einer Privatbank gelernt, würde aber lieber im schönen Lissabon bleiben anstatt zur Bank ins kalte Hamburg zurückzukehren, machte er mir ein Geschenk: er liess mir einen Anzug schneidern – wichtiges äusseres Kennzeichen eines korrekten Bankangestellten, als den er mich einstellte. Abends gab ich Deutsch-Unterricht und begann diese Stadt und das Land zu lieben. Im Sportclub Benfica spielte ich in der Ersten Mannschaft Tischtennis, im Club Naval Cascais machte ich meinen Segelschein.

PR: Was sagte eigentlich dein Herr Papa zur etwas abwegigen Entwicklung seines Sohnes Nils Peter? Er war immerhin ein Dr. Phil.

NPS: Oh je, meine Eltern sowie meine vier Geschwister waren besorgt, ganz besonders mein Vater, als Akademiker, Meteorologe in Berlin-Tempelhof, später in Hamburg-Fuhlsbüttel. Der sah die Entwicklung seines Sohnes mit aufrichtigem Bedauern.

PR: Eigentlich wollte ich mit dir ja ein Interview über euer Unternehmen „Arqueonautas S.A.“ führen. Und wenn ich die vielen tollen Schiffsmodelle allein um deinen gemütlichen Kamin herum betrachte, hege ich die stille Hoffnung, noch auf dieses reizvolle Thema zu stossen.

NPS: Sorry, Peter, aber sogleich nehmen wir Kurs auf in diese Richtung: Im Jahr 1961 hatten 10 deutsche Studenten, die den französischen Thunfisch-Kutter „Prosper“ für ihren Eigner nach Elba überführen sollten, in der Marina von Cascais einen kleinen Unfall. Dabei machte ich die Bekanntschaft einiger interessanter junger Männer: eines, der heute als Jurist die BES in Deutschland vertritt, ein anderer blieb in Portugal und betreibt ein Weingut im Alentejo. Ein dritter schliesslich, der Dieter Kleinschmidt, studierte Architektur, was uns später geschäftlich eng miteinander verbinden sollte.

PR: Mit ihm hast du doch später die Finurba gegründet.

NPS: Richtig, meine Finurba ist heute 40 Jahre alt und vertritt nach wie vor deutsche Interessen in Portugal.

PR: Wo ist eigentlich die „Prosper“, jener havarierte französische Thunfisch-Kutter, abgeblieben?

NPS: Ach, den versenkte ich später höchstpersönlich irgendwo bei den Klippen. Ich hatte ja als Marinheiro bei Comandante Fiuza in Cascais bereits meinen portugiesischen Segelschein gemacht, bin also offizieller portugiesischer Seemann. Und wie man weiss, ist noch kein Meister vom Himmel gefallen… Übrigens zücke ich auch heute noch gelegentlich diesen alten Ausweis, wenn ich zum Beispiel am Schalter der TAP vorgebe, „schnellstens als portugiesischer Seemann zurück auf mein Schiff im Lissaboner Hafen zu müssen“. Manchmal bekomme ich auf diese Weise sogar einen Diskont.

PR: Die Sehnsucht nach sich blähenden Segeln im Wind, die Lust auf die weite Welt, hier in deinem Heim dokumentiert mit soviel maritimem Flair, ist es das, was dich später in Länder wie Panama, Haiti, nach Santo Domingo verschlug?

NPS: Nein, meine Liebe zu Kindern und den „SOS-Kinderdörfern“, bei deren Aufbau in aller Welt ich gern mithalf, entspringt einer anderen Geschichte,…

PR: …die mit unserem heutigen Interview nichts zu tun hat.

NPS: Ganz genau, ich erzähle sie dir gern ein andermal.

PR: Stattdessen sollten wir auf die „Arqueonautas S.A.“ zu sprechen kommen.

NPS: Die ich in den 90er Jahren mit einigen Freunden hier in Estoril gegründet habe.

PR: Und die sich heute als weltweit bekannt gewordene „Gesellschaft mit archäologischen Unterwasser-Aktivitäten“ in Mozambique und Indonesien beschäftigt.

NPS: So ist es. Allerdings wurde „Arqueonautas“ ursprünglich von uns aus anderen Motiven gegründet. Und zwar, um dem damals in Portugal gültigen Gesetz entsprechend, in den hiesigen Hoheitsgewässern nach den wertvollen Ladungen versunkener, historisch wichtiger Schiffe zu suchen.

PR: Also ging es auf Schatzsuche.

NPS: Eigentlich nein, denn dieser in der Allgemeinheit zwar beliebte Begriff ist bei Wissenschaftlern zurecht verpönt. Der Begriff „Unterwasser-Archäologie“ trifft es da schon besser, worum es uns ging. Wir charterten also ein Schiff in Schottland, die „Northern Star“, heuerten 20 englische von der Kriegsmarine geschulte Profitaucher an, um die portugiesische Küste, die der Azoren und anderer portugiesischer Hoheitsgewässer nach möglichen gesunkenen Schiffswracks zu durchforschen.

PR: Das klingt einfach. So kann jedermann ins Wasser springen und einen versunkenen Schatz heben?

NPS: Beileibe nicht! Dem Gesetz zu Folge mussten eine Reihe festgeschriebener Details erfüllt werden, um mögliche Funde orten, heben, restaurieren und verkaufen zu dürfen. In erster Linie das Sichten historischer Dokumente in weltweiten Archiven, dafür gibt es Historiker. Dann das Tauchen, das Suchen, das Finden. Dann kommt die Dokumentation des Fundes in portugiesischer Sprache. Danach reicht man sämtliche Dokumente, Fotos, also Beweise, beim Kulturministerium in Lissabon ein, das eine spezielle Abteilung für diese neue Aktivität eingerichtet hat. Erst nach all diesem enormen zeitlichen wie finanziellen Aufwand sollte die Genehmigung für das Heben, die äusserst aufwendige Restaurierung sowie eine eventuell folgende Versteigerung über die bekannten Auktionshäuser wie Sothebys, Christies usw. erteilt werden.

PR: So konntet Ihr Verschollenes, auf ewig verloren Geglaubtes für die Nachwelt retten und erhalten?!

NPS: Soweit kam es leider nicht. Nachdem man im portugiesischen Kulturamt (IPAR) von unseren Aktivitäten, sowie drei ähnlich operierenden Unternehmen aus Amerika und Frankreich erfahren hatte und dadurch auf die Vielzahl möglicher Schätze aufmerksam wurde, die hier lagerten, änderte man kurzerhand das Gesetz. Alle Aktivitäten mussten sofort eingestellt werden, alles wurde uns unter Androhung hoher Strafen von einem Tag auf den anderen verboten.

PR: Und du gingst leer aus.

NPS: Wenn es das allein gewesen wäre. Doch wir hatten unsere gesamten Investitionen von einigen Millionen Dollar auf Grund gesetzt.

PR: Da war nichts mehr zu retten?

NPS: Ich wandt mich an den Anwalt Dr. Gomes da Silva, der dieses Gesetz entworfen hatte, und das vom Staatspräsidenten und seinem Ministerpräsidenten 1993 unterzeichnet wurde. Ich bat ihn inständig, mir juristisch beizustehen, um den grossen Verlust, den wir durch die portugiesische Regierung erlitten, zu kompensieren. Doch leider verfügte ich nicht mehr über die notwendigen finanziellen Mittel, um diesen Prozess gegen die Regierung führen zu können.

PR: Sodass ihr eure ganzen Ideen begraben, besser gesagt versenken musstet….

NPS: Das wollten wir unter allen Umständen verhindern. Die Firma, das Schiff, die Fachleute, das ganze Know-How, das wir bereits gewonnen hatten, das alles sollte irgendwie weiterleben. Also überlegten wir uns, wohin mit dem Schiff, den Tauchern und unserem ganzen Wissen und gingen schliesslich auf die Kapverden. Dort arbeiteten wir etwa 5 Jahre mit geringem Erfolg, obwohl es immerhin zu Versteigerungen bei Christies, Sothebys und einem anderen Auktionshaus in Kopenhagen kam.

PR: Mit geringem Erfolg? Warum gering?

NPS: Allerdings, weil die Einsätze fast alles verschlangen, was wir bei den Verkäufen einnehmen konnten.

PR: Trotz allem scheint die Firma „Arqueonautas“ aber heute auf der Sonnenseite angekommen zu sein.

NPS: Ja, glücklicherweise. Der Vetter meiner damaligen Verlobten, Nikolaus Graf Sandizell, seinerzeit Geschäftsführer einer Tochter von Ferrostaal in Portugal, nahm sich der neuen Aufgabe mit viel Elan an. Er ist heute der CEO der „Arqueonautas S.A.“ und brachte das Unternehmen inzwischen auf Weltniveau. Sodass sich heute sogar eine bekannte englische Privatbank ernsthaft für eine Zusammenarbeit mit uns interessiert.

PR: Neben Mozambique seid ihr auch in Indonesien aktiv?

NPS: Genau. Unser neues Engagement in Sumatra soll den Durchbruch für künftige finanzielle Erfolge erzielen. Bei Tauchvorgängen konnten bereits wertvolle Porzellan- Schätze aus der Ming-Dynastie entdeckt werden. Im Sommer kommenden Jahres geht es dann mit allen notwendigen Lizenzen in indonesischen Gewässern weiter. Wer da als Aktionär bei der „Aqueonautas“ mitmacht, wird sich wahrscheinlich auf lohnende Gewinne aus den nachfolgenden Versteigerungen freuen können.

PR: Ich könnte demnach auch als Aktionär bei „Aqueonautas“ meinen Einsatz abliefern, um am denkbaren Erfolg finanziell zu partizipieren?

NPS: Selbstverständlich! Da schlummert noch ein riesiges Potential. Nur sollte man auch nie das Risiko unterschätzen, das mit solchen Unternehmungen verbunden ist.

PR: Ich erlaube mir trotzdem an dieser Stelle deine Kontaktadresse anzugeben für jene, die gern bei „Aqueonautas“ mitmachen möchten: nilspetersieger@mail.telepac.pt sowie http://www.arq.de Auch lohnt sicherlich ein Besuch des Büros in Estoril,….

NPS: …das allein aufgrund seines Ambientes schon fast einem Marine-Museum gleicht.

PR: Was läuft in Mozambique?

NPS: Auf der Ilha de Mozambique, der ehemaligen Hauptstadt Mozambiques, haben wir unser technisches Headquarter, sogar ein kleines völkerkundliches Museum mit maritimen archäologischen Schätzen.

PR: Was war das letzte grössere Projekt?

NPS: Das war die Fregatte „São José“ von 1622, auf der ein Enkel von Vasco da Gama, der den Seeweg nach Indien entdeckt hatte, als kurz zuvor gekürter König von Goa mit all seinem Pomp und dem dazugehörigen Hofstaat unterwegs war. An Bord hatte er unter anderem 25.000 in Mexiko geprägte Silbermünzen, als er vor Mozambique angegriffen und mit seinem Schiff nebst allen Begleitschiffen sowie Mann und Maus versenkt wurde. Wir haben die meisten dieser wertvollen Silbermünzen bereits gefunden und restauriert. Dabei schätzen wir uns glücklich, auf das Know-How der Oxford University zurückgreifen zu dürfen, da wir mit dieser anerkannten Institution (Mare) einen Beratervertrag für Restaurationen abgeschlossen haben.

PR: Das ist wirklich alles weit komplizierter als man das auf den ersten Blick mit den Augen eines Laien erfasst. Wir alle haben ja als Jungen schon Bücher über Piraten gelesen, wir alle wollten immer die Schatzinsel entdecken, Truhen mit Goldmünzen finden und somit unfassbar reich werden. Bei dir, mein lieber Freund, ist es anscheinend nicht soweit gekommen?

NPS: Ach weisst du, der grosse Kolumbus sagte schon, „Geld mach einen Mann nicht wirklich reicher, es beschäftigt ihn nur mehr.“ Den Traum von der Schatzsuche habe ich mir mit meinen Freunden jedoch erfüllen können. Dafür musste ich allerdings mein Segelschiff, die „Monchique“, verkaufen.

PR: Aber deine hübsche Sammlung maritimer Antiquitäten, die hier überall in deinem Haus zu sehen sind, die sind doch gewiss auch schon ein Vermögen wert.

NPS: Ach nein, nicht wirklich. Das meiste stammt von Flohmärkten. Aber dekorativ sind diese Modelle alter Schiffe sowie die kleineren Messing- und Kupfergeräte allemal.

PR: Und dieses wunderbare Silber-Service?

NPS: Da hast du gerade das Wertvollste entdeckt, es ist komplett für 12 Personen, auf jedem Teil ist eine Schiffskordel, die das Messer, die Gabel, die Löffel umschliesst. Eigentlich gehört diese Sammlung ins Museum. Deshalb habe ich auch die Absicht, wenn ich noch älter werde, das alles eines Tages dem hiesigen Marine-Museum zur Verfügung zu stellen.

PR: Und wofür hast du die vielen Auszeichnungen erhalten, die in deinem Privatbüro die Wände schmücken?

NPS: Nicht für mein Hobby, über das wir uns gerade am Kamin unterhalten.

PR: Dann bestimmt für deinen unbezahlten und umso begeisterten Einsatz für die Waisenkinder, als Wegbegleiter Hermann Gmeiners, dem Gründer der „SOS-Kinderdörfer“.

NPS: Das stimmt, für meine jahrelange Tätigkeit als Leiter des „SOS-Kinderdorf Emergency Teams“ in der Karibik, in Lateinamerika und später in Spanien.

PR: Ein Thema, zu dem ich dich auch gern einmal interviewen würde. Wünsche bitte deiner Tochter und deinen Schweizer Enkelkindern ein besonders schönes Weihnachten von Fátima, meiner Frau, und von mir.